Die Maske
Auszug aus dem Arbeitstagebuch
Schon seit Tagen versuche ich, den Masken eines jeden Menschen auf die Spuren zu kommen. Masken, die man ständig wechselt.
Es ist auch richtig, dass sich jeder immer die Fähigkeit behält, selbst zu sein und entsprechend der Situation die richtige Maske trägt. Aber viel erschreckender finde ich, dass man Masken über Masken trägt oder eine Maske mit einem soweit verbunden ist, dass man sie gar nicht mehr lösen kann. Die Frage dann: "Bin ich die Maske oder habe ich die Maske an?"
Dann kommt noch die Frage: "Was für eine Maske ist es denn?"
Als ich mir gestern eine Maske aus Gips auftragen ließ, war das Erlebnis grandios. Leicht fühlte sich die Alltagsmaske an, beweglich und frei. Langsam zog sich von außen eine Schicht, die sich sanft meinen Zügen anpasste und versteifte. Jetzt saß ich da und wusste nicht, wie ich sprechen noch meinen Gefühlen freien Lauf lassen könnte. Vielleicht hätte ich mich mit einer Grimasse der Alltagsmaske befreien können, doch ich traute mich nicht. Langsam zog sich die zweite Schicht der Gipsbinden um mich. Ich merkte, mein Gesicht ist gehalten, es ist steif. Und gleichzeitig wusste ich nicht mehr, ob es mein Gesicht, meine Alltagsmaske ist, welches dort in Gips eingepackt ist.
Meine Hand tastete und fühlte nicht mehr – die Alltagsmaske? ...
"... wer bin ich?" fragte ich mich, als die Gipsmaske meine Alltagsmaske wieder freigab. ...
Material:
Sand, Zement und Wachs